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Samuel Selvon: Die Taugenichtse

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Roman //  Original: The Lonely Londoners // 1956
Dtv // 2017 Deutsche Erstausgabe // Aus dem englischen von Miriam Mandelkow
176 Seiten // Euro 18,00 //  Gebunden mit Lesebändchen


Moses sitzt an einem kalten Winterabend am Bahnhof Waterloo in London und wartet auf Jemanden. Es ist Henry Oliver, der Freund eines Freundes aus Trinidad. Henry ist gerade mit der SS Hildebrand frisch aus Jamaika in London eingetroffen und Moses, die gute Seele, kommt, um sich um ihn zu kümmern.

Er weiß noch, wie hilflos er selbst gewesen ist am Anfang in London und „Nichts und Niemanden“ kannte. Henry kommt in einem alten grauen Sommeranzug und Washicongs und hat weder Mantel, Schal oder Handschuhe noch irgendwas anderes gegen die Kälte. Er hat kein Gepäck und weder Rum noch Zigaretten als Anfangsausstattung zum Verkaufen mitgebracht:
„Na ja, die Zahnbürste ist immer dabei.“ Henry klopft auf seine Jackentasche. „Und den Pyjama am Leib. Keine Sorge, ich hol mir alles, wenn es losgeht mit dem Arbeiten“.“

Abe…

Buchpräsentation mit Sigrid Löffler:
Die Taugenichtse von Samuel Selvon

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An einem Donnerstagabend nehmen wir die beschwerliche Reise aus dem Berliner Norden auf zum Heimathafen Neukölln. Denn dort erwartet uns die Buchpräsentation von Samuel Selvons Die Taugenichtse. Bereits 1965 in London erschienen, schwappt der Pionier der modernen Migrationsliteratur erst jetzt zu uns nach Deutschland.  Sigrid Löffler, Grande Dame der deutschen Literaturkritik und jahrelanges Mitglied des literarischen Quartetts, hat das Nachwort verfasst. Sie stieß das erste Mal bei Recherchen zu ihrem neusten Buch Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler auf Selvon, wobei der Autor Michael Ondaatje ihr The Lonely Londoners (Originaltitel von die Taugenichtse) empfahl. Samuel Selvon war der erste Autor, der über die Ankunft der Westinder in London als billige Arbeitskräfte aus Sicht der Migranten selbst geschrieben hat.  Nun hat der Dtv-Verlag 23 Jahre nach Selvons Tod die Chance ergriffen und mit Hilfe der Übersetzerin Miriam Mandelkow den Roman nach Deutschland gebracht.   


Björn Larsson: Long John Silver

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Roman // Original: Long John Silver // 1995
Unionsverlag // 2017 // Aus dem Schwedischen von Jörg Scherzer 
448 Seiten // 16,95 Euro // Taschenbuch 



Schatzinsel-Fans macht euch bereit!

Was ist Long John Silver geschehen, nachdem er mit einem Teil des Schatzes von der Hispaniola fliehen konnte?

Nachdem seine Gehilfen ihn verlassen haben, meldet sich der berühmt berüchtige Pirat 1742 selbst zu Wort und schreibt in seinem Logbuch sein ganzes Leben nieder.

Ankündigung: BuchBerlin 2017

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BuchBerlin 2017 geht langsam an die Startlöcher:
Am 25.und 26. November steht wieder die BuchBerlin im Estrel Convention Center in der Sonnenallee auf unserem Terminplan. Wir waren schon letztes Jahr dort und haben zum Beispiel Nausikaa Lenz, die Autorin des tollen Baro kennengelernt (die Rezension dazu findet ihr hier).


Die BuchBerlin ist inzwischen die drittgrößte Buchmesse Deutschlands geworden. Auch diesmal werden sich wieder ca. 300 unabhängige Verlage und Self-Publisher zum Austausch mit den Besuchern und der Szene hier treffen. Während es auf den Messen in Frankfurt und Leipzig viel turbulenter zugeht, ist es im auf der BuchBerlin viel familiärer und überschaubarer. Man kann wirklich mit Autoren und Verlegern sprechen, während man an den Büchertischen vorbeizieht. Gerade das gefällt uns sehr gut und wir freuen uns darauf, neue Autoren kennenzulernen.
 Lesungen und Workshops soll es auch geben, nähere Informationen- auch zu den Teilnehmern - findet ihr bei www.buch-berlin.d…

Armistead Maupin: Die Tage der Anna Madrigal. Die letzten Stadtgeschichten.

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Roman // Original: The Days of Anna Madrigal // 2014
Rowohlt Taschenbuch Verlag // 2017 // Aus dem Englischen von Michael Kellner 
334 Seiten //  Euro 10,99



Die Tage der Anna Madrigal ist der letzte Band von Armistead Maupins insgesamt 9 Stadtgeschichten. Im Mittelpunkt steht die 92 jährige Anna Madrigal, die noch einmal in ihre Heimatstadt Winnemucca aufbricht, da sie dort noch eine alte Rechnung offen hat. Als 15 jähriger Junge lief sie heimlich weg, auf der Suche nach einer Zukunft als die Person, als die sie sich schon lange fühlte.

Zwei Geheimtipps

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In den letzten Monaten habe ich einen Roman überarbeitet und abgeliefert, für einen Kunstband, der im März erscheint, gezeichnet und Sachbücher gelesen, die etwas mit meinem nächsten Roman zu tun haben. Was ich aber vor allem tat, war Bücher zu lesen, die ich aus reinem Vergnügen wählte und die vielleicht schon vor zehn, zwölf Jahren oder gar noch im vorigen Jahrhundert auf deutsch erschienen sind, also als Taschenbücher aufliegen.
Dieses vergnügliche Sommerschmökern hat mir so viel Freude gemacht und mir AutorInnen näher gebracht, die ich ohne dieses Zeitfenster gar nicht entdeckt hätte. Und dieses Erlebnis will ich mit euch teilen.

Fangen wir mit Nick Dybek: Der Himmel über Greene Harbor an
Roman // Original: When captain Flint was still a good man // 2012 
Heyne Verlag // 2014 // Übersetzt von Frank Fingerhuth

Nick Dybek wurde 1980 in Michigan geboren, gewann recht schnell einige Kurzgeschichtenpreise und schrieb mit diesem Buch seinen ersten Roman, der zu recht hochgelobt wurde. …

Nanae Aoyama: Eigenwetter

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Roman // Original: Hitoribiyori // 2006
Cass Verlag // Erste Auflage 2015 // Aus dem Japanischen von Katja Busson
156 Seiten // 17 Euro  // Broschur 
Mit Eigenwetter eröffnete sich mir eine ferne Welt. Wenn die junge Chizu Minka surume (getrockneten Tintenfisch) schneidet, kinski (geröstetes Sojabohnenmehl) verwendet oder es warabi-mochi (Würfelgelee) gibt. Oder die ungewohnten Ortsnamen Ikebukuro, Shinjuku, oder der Bahnhof Sasazuka. Aber Jintan-Kräuterpillen sind eben auch nur Kräutertabletten und die 21 jährige Chizu, ein kluges, etwas verlorenes Mädchen auf der Suche nach Liebe, Geborgenheit, einer Zukunft und vor allem nach sich selber.

Obwohl sie Fujita, der als Ordner (Leutereindrücker) bei der U-Bahn arbeitet, nicht wirklich liebt, will sie ihn nicht verlieren. Wie schon ihren Freund vor Fujita. Aus Angst vor der Einsamkeit nimmt sie lieber eine schlechte als gar keine Beziehung in Kauf:
"Mir war nicht mehr zu helfen. Wann würde ich endlich nicht mehr alleine sein? dachte ic…